Astronomie meets Archäologie

Wenn Astronomie und Archäologie zusammenarbeiten #Weltraum

Unsere Vermittlerin Jasmin brennt für die Archäologie – kein Wunder: Sie ist Archäologin und immer wieder an spannenden Ausgrabungen beteiligt. Im Rahmen unseres aktuellen Wissensraum-Schwerpunkts „Weltraum“ zeigt sie euch nun, was passiert, wenn Astronomie und Archäologie zusammenarbeiten.

In diesem Beitrag möchte ich euch zeigen, wie die doch sehr unterschiedlichen Fächer von Archäologie und Astronomie in einem Forschungsprojekt kombiniert wurden und dadurch zu neuen Forschungsergebnissen gekommen sind.

Von Jasmin Hangartner

Es geht um die Erforschung von jungsteinzeitlichen Bauten in Niederösterreich, die sogar schon mit Stonehenge verglichen wurden. Diese Bauten sind über 7000 Jahre alt und werden Kreisgrabenanlagen genannt. Wie es der Name schon sagt, bestehen sie aus einem oder mehreren kreisförmigen Gräben. An der Innenseite dieser Gräben wurden Holzpalisadenwände errichtet. Durch zwei bis vier Eingänge, je nach Bau, konnte man ins Innere des Kreises gelangen. Hier ein Bild einer rekonstruierten Kreisgrabenanlage:

Die Kreisgrabenanlage in Pömmelte, Sachsen-Anhalt, Credit: Torsten Maue, CC BY-SA 2.0

Was können wir von diesen Anlagen heute noch sehen?

Heutzutage sieht man von diesen Bauten nicht mehr besonders viel. Der Grund liegt darin, dass sie aus organischen Materialien bestanden. Das Holz der Wände ist im Laufe der Jahrtausende verwittert und die Gräben wurden zugeschüttet. Die meisten Anlagen wurden daher aus der Luft mit Hilfe der Methode der Luftbildarchäologie entdeckt. Von da kann man nämlich kreisförmige Verfärbungen auf Ackerböden erkennen.

Kreisgrabenanlage in Drzemlikowice, Polen, Credit: PWro, CC BY 4.0

Riesige Kalender aus der Steinzeit?

Die Bauten erreichten mit 40 bis über 150m sehr große Durchmesser. Bei den Ausgrabungen wurden bisher keine Funde gemacht, die ihre Funktion deutlich erklären. Daher wurden schon mehrere Thesen zu ihrer Verwendung aufgestellt.

Eine dieser Vermutungen war, dass die Bauten als Kalender funktioniert haben und den Menschen in der Jungsteinzeit angezeigt haben, wann Winter- oder Sommerbeginn waren und wann sie somit ihr Saatgut aussähen sollten. Die Bauten könnten also dafür genutzt worden sein, die verschiedenen Jahreszeiten am Sonnenstand abzulesen.

Wenn Astronomie und Archäologie zusammenarbeiten

Um diese These zu prüfen, wurden die Bauten und die Landschaft rundherum virtuell nachgebildet und astronomische Phänomene berechnet. Die Fächer Archäologie und Astronomie wurden also zu Archäoastronomie verbunden.

Es wurde überprüft, ob die Öffnungen in den Wänden so ausgerichtet waren, dass von diesen z. B. die Winter oder die Sommersonnenwende angepeilt wurde. Bei diesen Forschungen hat sich gezeigt, dass die Bauten in Niederösterreich wohl nicht nach astronomischen Kriterien ausgerichtet wurden.

Nur die Tore von einem Bau, der in der Wissenschaft als Pranhartsberg 2 bezeichnet wird, waren genau zur Sommersonnenwende und eventuell auch zur Wintersonnenwende ausgerichtet. Für die restlichen Bauten scheint es so, dass eher die Landschaft und nicht der Himmel entschieden hat, wo die Tore in der Anlage gesetzt wurden.

Zum Weiterstöbern

Über das Forschungsprojekt zu den Kreisgrabenanlagen in Niederösterreich: https://astrosim.univie.ac.at

Falls ihr eine rekonstruierte Kreisgrabenanlage besuchen möchtet: https://www.derheldenberg.at/attraktionen/steinzeitdorf-mit-kreisgraben

Weitere Beiträge von Jasmin auf diesem Blog: Mein Besuch im U.S. Space & Rocket Center in Huntsville Alabama, Filmempfehlung: Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen und Die älteste Meteoritensammlung der Welt


Titelbild: Rekonstruierte Kreisgrabenanlage am Heldenberg, Niederösterreich, Credit: Wolfgang Glock

Beitragsbild 1: Die Kreisgrabenanlage in Pömmelte, Sachsen-Anhalt, Credit: Torsten Maue, CC BY-SA 2.0

Beitragsbild 2: Kreisgrabenanlage in Drzemlikowice, Polen, Credit: PWro, CC BY 4.0