Esther Duflo

Wissen schaffen

Wissenschaft umfasst alle Bereiche des Lebens. Es gibt nichts, was man nicht erforschen kann. Je mehr wir als Gesellschaft jedoch Wissen schaffen, desto stärker bilden sich verschiedene Forschungsbereiche heraus. Durch die verschiedenen Spezialisierungen steigt meist der Austausch innerhalb eines Bereichs, während zugleich der Austausch mit anderen Bereichen abnimmt.

Von Lara Render

Vielleicht geht es dir bei Treffen mit Freunden auch manchmal so: Wenn du dich in einer großen Gruppe mit vielen Leuten triffst, dann tauschst du dich mit vielen Leuten aus, dafür aber nur relativ kurz. Wenn du dich hingegen mit einer kleineren Gruppe an Freunden triffst, sprichst zu zwar nur mit weniger Leuten, dafür jedoch mit jeder Person länger.

Brücken schlagen

Die Bildung von Gruppen hat ähnlich wie bei Treffen mit Freundinnen und Freunden auch in der Forschung Vor- und Nachteile. Besonders für die Entstehung von neuen Ideen ist jedoch ein Austausch sehr gewinnbringend.

Esther Duflo (geboren 1972), eine französische Wirtschaftswissenschaftlerin, die seit dem Abschluss ihres Studiums in den USA lebt und arbeitet, hat gemeinsam mit ihren Kolleg*innen eine Brücke zwischen der Medizin und den Wirtschaftswissenschaften geschlagen und eine neue Methode entwickelt, Armut zu untersuchen. Ihr seht sie am Titelbild zu diesem Beitrag.

Durch ihre Arbeit gemeinsam mit anderen ForscherInnen an ihrer Universität, konnte sie dazu beitragen, ein besseres Verständnis von Armut zu schaffen und neue Strategien zur Bekämpfung von Armut zu entwickeln. Für ihre Arbeit erhielt Esther Duflo gemeinsam mit Kollegen 2019 den Wirtschaftsnobelpreis.

Random Impact Evaluations

Armut ist weltweit ein äußerst relevantes Thema, mit dem sich schon viele Menschen befasst haben. Viele Gelder fließen in die Bekämpfung von Armut und es gibt viele Projekte, die umgesetzt werden, um Armut zu bekämpfen. Was Esther Duflo jedoch stört, ist, dass es bisher nur wenig zuverlässige Untersuchungen zur Wirkung der ergriffenen Maßnahmen gibt. Wenn man einen so komplexen Sachverhalt wie Armut und ihre Konsequenzen untersucht, dann gibt es viele Einflussfaktoren. Um die Wirkung einzelner Faktoren zuverlässig messen zu können, braucht man deshalb einen Vergleich.

Sehen wir uns ein Beispiel an!

Wie wichtig dieser Vergleich, also die Referenz ist, möchte ich an einem Beispiel deutlich machen: Stell dir vor, du möchtest die Wirkung von Cola auf das Körpergewicht untersuchen. Deine Hypothese ist, dass der Konsum von Cola zu einer Gewichtsabnahme führt. Um deine Annahme zu untersuchen, gibst du nun einer Klasse von Schülerinnen und Schülern jeden Tag eine Flasche Cola für zwei Monate. Du misst ihr Gewicht zu Beginn und am Ende der zwei Monate. Nach zwei Monaten stellst du dann fest, dass die Schülerinnen und Schüler im Durchschnitt abgenommen haben und siehst deine Annahme bestätigt.

Die Gewichtsabnahme ist jedoch nicht auf den Konsum von Cola zurückzuführen, sondern darauf, dass seit zwei Monaten jeden Tag zwei Stunden Sport auf dem Stundenplan der SchülerInnen stehen. Diese Information hast du allerdings erst nach Ende deiner Untersuchung erfahren und deine bestätigte Hypothese hast du bereits mit anderen Menschen geteilt.

Wirkungen untersuchen

Hättest du die Gruppe nun in zwei Teile geteilt und nur der einen Hälfte der SchülerInnen Cola gegeben und der anderen nicht, so wär dein Fazit ein anderes: Du würdest beobachten, dass alle SchülerInnen über die zwei Monate Gewicht verloren haben. Die Cola kann also nicht der Grund dafür gewesen sein. Denn auch die SchülerInnen, die keine Cola konsumiert haben, haben Gewicht verloren.

Diese Methode, eine Referenzgruppe zu nutzen, um die Wirkung einer Sache zu untersuchen nennt sich “random impact evaluations” (zufällige Wirkungsauswertung). In der Medizin wird sie oft genutzt, um die Wirkung von Medikamenten zu untersuchen. Esther Duflo hat sie nun genutzt, um die Wirkung von Maßnahmen der Armutsbekämpfung näher zu analysieren.

Zum Weiterforschen

Wenn du Lust hast mehr über die Untersuchungen von Esther Duflo zu erfahren, dann schau doch ihren TED-Talk an.


Beitragsbild von: Kris Krüg / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0); Schwarz/Weiß von Sarah Funk